Ist Haftcreme nötig?

Haftcreme ja oder nein?

Eine Prothese sollte immer gut sitzen!

Eine Totale Prothese liegt lose auf der Schleimhaut. Deshalb erscheint es zunächst nur logisch, dass es zur Fixierung eines Hilfsmittels  wie Haftcreme bedarf. Viele Patienen lassen sich  über Angebote von Haftcremhersteller, die einen viel besseren Sitz und Halt einer Prothese versprechen täuschen. Haftcreme für Prothese gibt es als Creme, Pulver, Gel oder Streifen. Dies sind alles enthaltene Stoffe, die aufquellen wenn sie mit dem Speichel reagieren. Dadurch wird der Speichel zäher und Hohlräume werden somit ausgefüllt. Immer wieder stoßen Patienten aber auch auf Warnungen wie, bitte nicht zu viel Haftcreme zu verwenden, gerade weil die Zusatzliste in viele Fällen Stoffe wie Paraffinöl, Konservierungs- und Farbstoffe oder Zink aufweisen, die gesundheitliche Beinträchtigungen nach sich ziehen können.

Was ist wichtig damit eine Prothese gut sitzt und hält!

Anfertigt wird eine Zahnprothese mit einigem technischen und handwerklichem Aufwand in einem Meisterlabor. Die neuen Zahnreihen im Ober und Unterkiefer werden so gestaltet, dass sie sich bei allen Bewegungen gegenseitig abstützen und die Prothese beim Kauen nicht falsch belastet wird und fest sitzt. Gerade die Gestaltung der Prothesenränder und die möglichst genaue Abformung der Prothesenbasis an die Schleimhaut ist hier echte Expertenarbeit. Gelingt dies gut, saugt sich die Prothese von selbst fest und sitzt auch ohne Haftcreme. Das zugrunde liegende Prinzip heißt Adhäsion, zu Deutsch Haftung. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das Prinzip der Adhäsion: legt man 2 Glasplatten aufeinander, genügt bereits ein Tropfen Wasser, damit sie durch Adhäsion aneinander haften. Im Falle der dritten Zahnprothese sorgt der Speichel und die exakte Anfertigung der Prothese, in Kombination mit dem Speichel dafür dass die dritten Zähne fest sitzen.

Überhaupt spielen neben einigen Faktoren, wie die Art und die Menge des Speichels eine große Rolle, bei der Haftkraft einer Zahnprothese. Ebenso spielt die individuelle Form, die Höhe der Kieferkämme und des Gaumens eine große Rolle beim erwünschten Saugeffekt einer Prothese. Eine unnötige Verwendung von Haftcreme kann diesen Effekt sogar wieder verschlechtern und dauerhaft dass Prothesenlager beschädigen oder sogar zu einem unerwünschten Schlotterkammeffekt führen. Oft reicht schon eine Unterfütterung der vorhandenen Prothese aus, um den korrekten Halt und den Sitz einer vorhandenen Prothese wieder herzustellen.

Deswegen ist eine regelmäßige Kontrolle durch den Zahnarzt/ -ärztin sehr wichtig und schützt den Prothesenträger vor einem vorzeitigen Abbau der Kieferkämme, der zu einem schleichenden und schlechteren Prothesensitz führt.

 

Der dauerhafte Einsatz von Haftcreme ist also nicht zu empfehlen, sondern sie dient eher als kleiner Helfer bei Übergangslösungen wie zum Beispiel:
bei dem Halt einer Interimsprothesen, die nach einer Extraktion von Zähnen eingesetzt wird. Eventuell auch als Übergangslösung in der Einheilphase nach einer Implantation oder nach größeren chirurgischen Eingriffen.

Eine gute Pflege ist wichtig!

Schauen Sie dazu hier unter Zahnersatzpflege>> 

Dauerhafte Stabilisierung durch Implantate

In einigen Fällten hilft auch die Unterfütterung nicht so wie gewünscht. Gerade bei den Prothesen im Unterkiefer lässt die Haftung im Laufe der Zeit nach. Eine so genannte Lagestabilisierung mit Hilfe von Implantaten ist dann eine gute Alternative. Zahnimplantate gibt es in  vielen unterschiedlichsten Ausführungen und Kosten. Minni-Implantate mit Kugelköpfen sind z.B. eine Kostengünstige Lösung für Unterkieferprothesenträger. Implantat-Stegversorgungen auf normalen Implantaten sind teurer, sie sorge allerdings auch für einen deutlich festeren Halt der Prothese.  Lesen Sie mehr dazu hier unter der Rubrik Implantate>>

Implantatsteg im Unterkiefer

Implantat-Kugelanker im Unterkiefer